Zuversicht – ein tragendes Gefühl

Sie ist eine große innere Kraft, die uns hilft, das Leben auszuhalten und zu meistern. Aber wir können die Zuversicht auch schnell verlieren, angesichts von Krankheit, Streit in der Familie oder wenn wir morgens in die Zeitung von Terror, Gewalt und Altersarmut lesen. Uns wird mulmig, wir machen uns Sorgen.

Zum Glück lässt sich das Gefühl der Zuversicht auch wiederbeleben, auch Dank kleiner psychologischer Tricks, doch davon später.

Ich persönlich habe mit dem flüchtigen Gefühl der Zuversicht meine eigenen Erfahrungen gemacht. Nach einer schweren Herz-OP habe ich „Wochen unter Null“ erlebt, sozusagen unter dem Gefrierpunkt. Unfreiwillig bestieg ich durch die OP eine Zeitmaschine und wachte danach um 20 Jahre gealtert wieder auf. Plötzlich und ohne Vorwarnung war ich statt 67 nun gefühlte 87. Welch ein Schock, welch ein Energie-Einbruch! Aller Optimismus, alle Zuversicht, alles Vertrauen ins Leben war dahin. Ich saß im tiefen Loch und musste mich Schritt für Schritt wieder herauskämpfen. So tief war ich gesunken, ich ging am Rollator und zur „Hockergymnastik“.

In dieser Situation lernte ich, Zuversicht fällt nicht vom Himmel, sondern sie ist eine Geisteshaltung, die wir uns erkämpfen, die wir trainieren müssen. Wir können lernen, positiver zu denken, optimistischer in die Zukunft zu schauen. Ein Trick dabei: sich bewusst machen, welche Schwierigkeiten wir im Leben schon bewältigt haben, auf welche Dinge wir stolz sein können. Außerdem sich überlegen, wofür man dankbar ist. Denn Dankbarkeit macht uns bewusst, wie gut es das Leben bisher mit uns gemeint hat. Wir verändern unseren Focus, weg vom Negativen hin zum Positiven.

Bei störenden Gedanken in Endlosschleife empfiehlt sich folgender Psycho-Trick: stell dir vor, du steckst alle deine lästigen Gedanken in einen Müllbeutel und deponierst ihn vor der Haustür. In deiner Phantasie siehst du, wie die Müllabfuhr alles entsorgt.

Zuversicht bedeutet auch : den Kopf immer über Wasser zu halten und den Lebensmut niemals sinken zu lassen, egal wie das Leben so spielt, nach dem Motto: manchmal wird es schwierig, aber es gibt immer einen Silberstreif am Horizont. Außerdem wichtig: nicht von „Problemen“, sondern von „Herausforderungen“ sprechen, klingt nicht so negativ. Die Geisteshaltung der Zuversicht hat nichts zu tun mit blindem Optimismus, der Nöte und Schieflagen nicht sehen will. Sich immer sagen: Die Schwierigkeiten sind da, aber ich werde eine Lösung finden. So nehme ich das Leben selbst in die Hand, nur so habe ich die Chance, neue positive Erfahrungen zu machen.

Zuversicht ist eine Entscheidung. Für das Morgen, für das Leben. Die beste, die wir tagtäglich treffen können.

Drückt Martin Luther nicht ganz viel Zuversicht aus, wenn er sagt: “Wenn ich wüsste, dass morgen die Welt untergeht, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen“.

Mitglied Sabine Huth-Sauerwein