Altern ist nichts für Feiglinge

Ach ja, die Beeinträchtigungen, wenn man älter wird! „Namen vergessen… Habe ich die Tür abgeschlossen? Wo liegt eigentlich meine Brille? Wo die Tabletten?“

Es geht um eine Lebensgestaltung im Älterwerden. Ich sage bewusst nicht: Lebensgestaltung im Alter, sondern im Älterwerden. Die Grenzen sind heute fließend. Früher gab es die drei bis vier Lebensphasen: Kindheit, Jugend, Erwachsensein, Altsein. Auch alle Bezeichnungen wie Senior und andere sind nicht angemessen. Es gilt das, was ein bisschen billig klingt: Man ist so alt, wie man sich fühlt. Aber es stimmt.

Sinnvolle Lebensgestaltung ist mein Thema. Sinnvoll ist es, nicht zu klagen, nicht zu jammern, nicht zu lamentieren:

  • Nicht über die schlechte Jugend, die angeblich verroht, undiszipliniert, gewalttätig ist. In meiner Abiturrede habe ich über den römischen Schriftstellen Quintilian gesprochen. Der beklagt, wie vor ihm schon Plato und andere, den Sittenverfall der Jugend. Ich halte es mehr mit Hermann Hesse: „Nichts zeigt das Alter eines Menschen so sehr, wie wenn er die junge Generation schlecht macht.“ Recht hat er. Denn wer so klagt, zeigt nur, dass er den Kontakt mit der Jugend nicht sucht. Und sich freiwillig selbst abhängt.
  • Nicht klagen über die schlechten und unglaubwürdigen Politiker. Das alles ist Stammtischgerede, das sind Verallgemeinerungen und dumme Pauschalisierungen.
  • Nicht klagen: „Keiner besucht mich.“, „Keiner will mich.“, „Keiner hört mir zu.“ Vielmehr fragen: Was tue ich denn selbst dagegen?
  • Nicht sagen: „Früher war alles besser.“ Das ist Verklärung der goldenen Vergangenheit, die im Grunde gar nicht golden war, sondern durchaus auch beschwerlich. Nostalgie ist das. Wer nur in der Vergangenheit lebt, macht die Gegenwart schlecht und verschließt die Augen vor der Zukunft. Den Kopf in den Sand stecken ist kein Beitrag zu einer sinnvollen Lebensgestaltung.

Klagen und jammern ist das Defizitmodell einer Lebensgestaltung. Grundsätzlich gilt für die Lebensgestaltung die Alternative: Entweder bleibe ich passiv oder ich werde aktiv. Passiv bleiben ist das Defizitmodell. Aktiv werden das Positivmodell. Deshalb sagen wir gern bei NEW GENERATION: „Sei nicht Konsument, sondern Produzent deines Lebens.“

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