Im Schatten von Venus

Lisa Reihana, detail in Pursuit of Venus [infected], Image courtesy of the artist, Artprojects NZ, and New Zealand at Venice. With support of Creative New Zealand and NZ at Venice Patrons and Partners.

Panoramavideo der neuseeländischen Künstlerin Lisa Reihana zur Südsee und Kunst aus dem Pazifikraum im Museum am Rothenbaum. Ausstellungsbesuch mit Eberhard Stosch, Kunsthistoriker

Die Südsee – die Inselwelt im Südpazifik weckt bei Europäern bis heute romantisierte Vorstellungen von exotischen Tänzerinnen in Baströcken, grünen Inselparadiesen und türkisblauem Ozean. Schon im späten 18. Jahrhundert beeinflussten die Berichte, Zeichnungen und Artefakte, die der britische Seefahrer James Cook von seinen Erkundungsfahrten über die Weltmeere, insbesondere dem Südpazifik mitbrachte, europäische Denker und Künstler. Es entwickelte sich das Idealbild des „edlen Wilden“, der im Einklang mit der Natur lebt. Französische Wandtapeten, die im frühen 19. Jahrhundert in europäischen Salons verbreitet waren, zeigten die Nachbildungen eines idealisierten paradiesischen Südseelebens. Gleichzeitig legten die europäischen Entdeckungsfahrten den Grundstein zum Kolonialismus.
Die aus Neuseeland stammende zeitgenössische Künstlerin Lisa Reihana nimmt Bezug auf diese Darstellungen aus europäischer Sicht. In ihrer Videoinstallation „Pursuit of Venus (infected)“, zu Deutsch: „Im Schatten von Venus“ zeigt sie Aspekte der historischen Ereignisse um die Ankunft der Cook-Mannschaft, auch aus der Perspektive der pazifischen Inselbewohner.
In einem 64 Minuten langen Film lässt sie vor dem Panorama einer ästhetisch gemalten Insellandschaft in Endlosschleife nachgespielte Szenen ablaufen, in denen europäische Forschungsreisende und pazifische Inselbewohner sich begegnen, und mit- und untereinander agieren. So sind Rituale, Tauschgeschäfte oder auch Auseinandersetzungen zu sehen. Immer wieder kann der Betrachter etwas Neues entdecken. Die auf den ersten Blick harmonisch und sinnlich wirkende Inselwelt zeigt auch Motive, die von Macht, Selbstdarstellung und kulturellen Missverständnissen handeln.

Termin: Di, 29. September 2020 um 15:00

Ort: Museum am Rothenbaum

Treff: 14.45 Uhr, Kassenhalle Museum am Rothenbaum (ehemals Völkerkundemuseum), Rothenbaumchaussee 64

Kosten: € 16,– inkl. Eintritt und Führung

Teilnehmer: min. 16 / max. 20 zum Stichtag: 09.09.

Anmeldung: ab 03.08. bei NEW GENERATION [3509]