Schluss mit den kontaktlosen Zeiten

Fortsetzung: Mit großen Augen lese ich: „Wir fahren nach Helgoland!“ NEW GENERATION wird wieder mobil. Endlich wieder reisen, aufatmen, durchatmen, hinausgehen. Und auf der Reise zur roten Felseninsel mitten in der Nordsee Wind und Weite erleben. Und Freiheit spüren. So lange sehnlich erwartet in kontaktlosen Zeiten. Kontaktlos? Ich verhehle nicht, dass ich staune und mich freue, wenn so viele von uns mit leuchtenden Augen erzählen, dass sie mit Zoom konferieren können. Sag einer noch mal, wir gehören zum alten Eisen!
Endlich Freundinnen und Freunde wiedersehen, einander umarmen und berühren! Nicht nur auf die Bildschirme vom Computer oder vom Fernseher oder eingesperrt ins Leere starren! Endlich wieder anderen in die Augen sehen und darin lesen, dass auch sie sich freuen. Glänzende Augen sind ja so lebendig. Im „Kleinen Prinzen“ von Antoine de Saint Exupéry steht der schöne Satz: „Man sieht nur mit dem Herzen gut…“ Wohl wahr! Aber es ist auch gut und sogar schön, einander direkt in die Augen zu sehen. Jetzt endlich sprechen unsere Augen von Erleichterung und Wiedersehensfreude, von Lebenslust und Hoffnung. Aber auch von der Sehnsucht nach einem Du und nach Gemeinschaft.

„Wo befreundete Wege zusammenlaufen, da sieht für eine Stunde die Welt wie Heimat aus“, sagt Hermann Hesse. Endlich wieder nicht nur für eine Stunde. Es dürfen auch mehr, ja, viele sein. Stunden, in denen wir auch mit dem inneren Auge schauen. Mit dem inneren Auge sieht man tiefer und besser.
Ich schreibe das und schaue auf die blühenden Apfelbäume in unseren Gärten. Auf den satten grünen Rasen, der noch nie so grün war. Auf die Rosen, die darauf zu warten scheinen, endlich prächtig zu blühen und ihren wunderbaren Duft zu verströmen. Für mich sind Rosen die Lieblingsgedanken der Schöpfung. Auf sie schauen, sinnen, schweigen. Und das erleben, was der Lebenskünstler Pallieter in dem Roman von Felix Timmermanns schaut. Der steht einfach so da und schaut in den Himmel. Kommt einer und fragt ihn: „Was machst du denn da?“ Er antwortet: “Ich bin“. Nur „Ich bin“. Mehr nicht. Aber er ist ganz bei sich selbst. Er muss nichts machen. Nur schauen, staunen, dankbar und glücklich sein. Wunderbar, wenn wir dieses erfüllende Sein jetzt wieder miteinander teilen können!